RE_LINEA ist die erste italienische Einzelausstellung der aus Deutschland stammenden Künstlerin Britta Lenk, die in Rom und Köln arbeitet und lebt.

Die in RE_LINEA verwendete Technik Heißschmelzklebstoff auf Holz, Leinwand und Papier  zeigt einen Weg auf, bei dem Materie und Farbe miteinander verknüpft werden.

Mit dieser Technik setzt Lenk ihren ästhetischen und sprachlichen Entschluss um, die beiden bei dieser Ausstellung ins Spiel kommenden Kräfte, nämlich Farbe und Materie, miteinander in Dialog treten zu lassen.

Die Werke folgen einem triadischen Aufbau und scheinen in ihrer Unmittelbarkeit und starken Expressivität der Farb-Materie an die Tradition der Informellen Kunst anzuknüpfen.

Bei aufmerksamer Betrachtung zwingen uns die Werke in eine neue Richtung, da die Farb-Materie in gänzlich innovativer Art und Weise mit unserem Blick interagiert. Die Dreierreihung der Werke wird zum Ausgangspunkt einer Dynamik, die angeregt durch einen verborgenen, geordneten Wahrnehmungssinn in Bewegung gerät und sich erweitert. Indem die Künstlerin die Farb-Materie mittels eines dichten, scheinbar undurchdringlichen Geflechts in die Bildfläche einschließt, hindert sie den Blick daran, eben dieses Bild, als dem ihr eigenen, geheimen Territorium, zu durchwandern. Erstaunlicherweise beginnt im zweiten Gemälde, gleichsam animiert durch eine unkontrollierte und unkontrollierbare Kraft-Spannung, die Farb-Materie aufzubrechen: Sie weist die Textur auf, die das erste Gemälde zu verbergen versucht, und offenbart Britta Lenks lyrische Seite. Gleichzeitig wird unser Blick durch zum Vorschein kommende Strukturen überrascht, die im Augenblick ihres Entstehens erfasst werden.

Ordnung und Unordnung.

In dem letzten Gemälde der Dreierreihe gerät die Farb-Materie zu einem Wirrwarr, zeugt von der Komplexität des Lebens, der Daseinsbedingung des Menschen, die als Grenzannahme erlebt wird. Eine derartige Unordnung steht für das Scheitern der mit dem ersten Gemälde zum Ausdruck gebrachten Verschwiegenheit, und offenbart die Suche einer jungen Künstlerin, die die Gegenwart mit beunruhigendem Lyrismus erlebt und sich gleichzeitig zwischen Besorgnis und Spannung bewegt. 

Zwischen Ordnung und Unordnung: welche Zukunft?

 

Anna Maria Nassisi

 

(Übersetzt aus dem Italienischen von Elke Mählmann)